Samstag, 1. Februar 2025

Klaus Schlappner wehrt sich gegen Nachtweih-Buch

Vor einigen Wochen hatte ich hier über Norbert Nachtweihs überaus gelungene Biographie "Zwischen zwei Welten: Meine deutsch-deutsche Fußballgeschichte" berichtet. Darin hatte der einstige DDR-Jugennationalspieler und spätere Bayern-Star seine erfolgreiche Karriere Revue passieren lassen und auch recht pointierte Einschätzungen zu früheren Trainern abgegeben, unter anderem zu Klaus Schlappner: Der, so Nachtweih, sei in seinen Augen ein Rassist.

Das allerdings will die Waldhof-Mannheim-Ikone offenkundig nicht auf sich sitzen lassen und geht nun juristisch gegen Nachtweih vor. Dem Rhein-Neckar-Fernsehen gab er dazu ein Interview und teilte mit, dass er bereits alles in die Wege geleitet habe und auch keinerlei Grund sehe, zwecks Klärung auf Norbert Nachtweih zuzugehen. Das Video mit dem Gespräch ist in der RNF-Videothek abrufbar.

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig hin- und hergerissen bin. Einerseits ist der Vorwurf natürlich verdammt hart und, wenn er nicht stimmt beziehungsweise nicht als zulässige Wertung eines beobachteten Geschehens durchgeht, verleumderisch beziehungsweise beleidigend - der Gang zu Justitia also durchaus nachvollziehbar. Andererseits war Klaus Schlappner ja einer, der früher durchaus auch selbst gern mal austeilte. Als ihn das legendäre Fußball-Magazin 1985 in einem Interview auf seine Trainerkollegen Ernst Happel und Udo Lattek ansprach, teilte Schlappner mit, er wehre sich "entschieden dagegen, mit Alkoholikern in einem Zusammenhang genannt zu werden". Das schlug damals auch gewaltige Wellen - und Schlappner bestritt, das jemals so gesagt zu haben. Jupp Heynckes damals kühl im Spiegel: "Das ist das Problem der Plaudertaschen unter uns Trainern. Die hauen die Dinger raus und erschrecken sich zu Tode, wenn sie ihre Worte dann gedruckt sehen." 

Mir wäre es unter dem Strich vermutlich lieber gewesen, Schlappner und Nachtweih hätten das Gespräch gesucht und sich zum Beispiel darauf geeinigt, dass der Vorwurf künftig nicht mehr erhoben wird, anstatt das jetzt womöglich vor Gericht zu klären. Aber mich hat ja keiner gefragt.